Anna

Geile Erlebnisse und Kurzgeschichten.
AnnasMama
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Re: Anna

Beitrag von AnnasMama »

So, nun ist die Sommerpause doch etwas länger geworden als ursprünglich einmal gedacht, aber irgendwie hatte ich mal wieder etwas Bock weiterzuschreiben. Auch wenn ich nach wie vor nicht weiß, ob eine Fortsetzung gewünscht ist. Helft mir doch mal etwas auf die Sprünge und schreibt hier mal, was ihr so denkt. Und nein, es soll kein „Phishing for Compliments“ werden – wenn’s Euch langweilt und ihr in all der Zeit nichts vermisst habt, so würde ich auch das gerne wissen. Denn nichts wäre schlimmer als etwas zu schreiben, was dann im Endeffekt doch niemanden mehr interessiert.

„Wir sind übrigens heute Mittag direkt nach der Schule wieder zum Essen bei Tante Melanie und Lena“ erinnerte Emmas Mama sie beim Aufstehen. Emmas Laune sank schlagartig. War sie sonst doch gerne bei den beiden zu Mittag, wo Tante Melanie immer ihr Lieblingsessen „Spaghetti Bolognese“ kochte, war sie in letzter Zeit einfach nur genervt, denn Mama bestand darauf, dass sie irgendwas von Lenas alten Sachen anziehen solle. Tante Melanie fand das dann immer total süß und niedlich, was sie auch lautstark betonte und artikulierte, aber Emma war das in dem Moment einfach nur noch peinlich, denn die Sachen von ihr sahen doch spürbar abgetragen aus. Aber um des lieben Friedens willen zog sie auch dieses Mal wieder die gleichen alten Sachen von Lena an, die ihr kaum noch passten und in denen sie sich selber alles andere als süß und niedlich fand. Sie schämte sich, ließ sich aber dennoch nicht anmerken aus Angst vor etwaigem Ärger. Gegenüber Mama durchsetzen war an solch einem Tag eben einfach nicht drin.

„Hoffentlich gibt’s in der Schule keine blöden Kommentare“ dachte sie beim Frühstückstisch, als ihre große Schwester schon wieder lästerte. Emma schwieg, wehrte sich nicht, fraß den Ärger in sich hinein, schaute zur Pinnwand, wo der Zettel für die kommende Altkleidersammlung wie zur Erinnerung und Mahnung aufgehängt war. Insgeheim hoffte sie, dass Mama endlich ein Einsehen haben würde, dass sie aus den einst doch so geliebten und gerne getragenen Anziehsachen von Lena doch langsam aber sicher herausgewachsen war, was Mama und Tante Melanie aber bislang geflissentlich ignoriert hatten. Ja, die Sachen von Lena waren stets grenzwertig, was auch daran lag, dass Lena sie entweder schon gebraucht bekommen hatte, oder sie so dermaßen oft angezogen hatte, dass sie eben deutlich verwaschen und abgetragen aussahen.

Sie traute sich aber auch noch nicht, Mami auf die kommende Altkleidersammlung anzusprechen – nein, wenn sie das machen würde, käme Mama doch wieder nur auf krumme Gedanken. Denn dann würde – und dafür kannte sie Mama gut genug – wieder das im Müllsack landen, was Mama loswerden will und was sie liebend gerne weitertragen würde und eben nicht umgekehrt. Und Lenas Sachen kamen eigentlich immer erst dann mit weg, wenn sie wirklich hinüber waren: wenn die Hosen an den Knien durch oder die Pullis so eng waren, dass sie beim besten Willen nicht mehr mit dem Kopf durch passte. Zu knapp, zu kurz oder zu eng war solange egal, wie Emma auch nur so gerade eben noch hineinpasste – ob sie sich darin noch wohl fühlte war Mama doch egal.

So zog Emma dann grummelnd ab, zog ihre rote Adidas Regenjacke drüber, die auch irgendwann mal in einem Geschenkpäckchen dabei war und zumindest noch so einigermaßen passte und aussah. Sie fühlte sich unwohl, denn liebend gerne hätte sie auch bei Tante Melanie mal was von ihren neuen Sachen angezogen, ihre neue Levis Latzjeans zum Beispiel, in der sie sich tausendmal wohler fühlte. Aber nein, das wollte Mama nicht, warum konnte sie ihr auch nicht sagen. Auf der anderen Seite war ihr aber auch völlig klar, dass Lenas Sachen es einfach hinter sich hatten: Nichts, aber auch rein gar nichts hätte die Chance auf Weiterverwertung bei ihrer kleinen Schwester. Nein, komischerweise schaffte sie es von Anfang an, sich gegen jedwedes gebrauchte zu wehren. Die Jüngste war halt Mamas Liebling und ihr kann man ja nichts Gebrauchtes zumuten. Aber zumindest in letzter Zeit bekam Emma auch immer mehr Neues, wenn gleich sie davon bislang nichts zu Tante Melanie und Lena anziehen durfte.

Emmas einziger Trost an diesem Morgen war Kevin, der kleine knuddelige süße Typ, mit dem sie nun schon eine Zeit lang zusammen war. Und der genau diese Klamotten, die sie inzwischen alles andere als gerne trug, doch so sehr an ihr mochte. In letzter Zeit sagte er zwar nicht viel, aber sie spürte genau, dass er es mochte – mehr, viel mehr als die Klamotten, die sie sonst trug. Aber sie schämte sich ihm gegenüber zu sehr, als dass sie ihm gerne den Gefallen tat. Wenn Mama sie nicht regelmäßig dazu zwingen würde, nein, dann wären die Sachen die sie heute auch Tante Melanie und Lena zur Freude nochmal anziehen musste, bestimmt schon längst mit weg – auch in der Gewissheit, dass sie niemand anders mehr tragen würde: Keine kleine Schwester, keine Freundin (von denen eh alle größer waren als sie, und ihre Sachen somit nicht mehr passen würden), kein sonst wer. Das Gefühl, dass die Sachen die sie heute noch einmal trug, einfach so in die Altkleidersammlung wandern würden (wie schon um ein Haar bei Tante Melanie) und dort ohne große Beachtung auf dem Recyclinghaufen für den Reißwolf enden würden, ließ sie kalt. Was einst ja Notlösung diente und dafür gut genug war, hatte seine Schuldigkeit getan – schließlich hatte sie ja inzwischen was anderes, nagelneues, passenderes, was sie viel lieber getragen hätte, aber heute mal wieder nicht durfte.

Emma trödelte den ganzen Morgen, hatte keinen Bock in dem Outfit zur Schule zu müssen und verpasste daher natürlich den Bus und kam dadurch zu spät zum Unterricht. Sie hatte Angst, in den Klassenraum zu gehen, schämte sich ob der alten, abgetragen Sachen, die sie heute anziehen musste und setzte sich leise „Guten Morgen“ grummelnd neben Kevin, der sein Glück nicht fassen konnte – ihr freundlich zulächelte und es kaum abwarten konnte, dass es endlich Pause würde. War es doch heute schon wieder 14 Tage her, dass er Emma in ihrer inzwischen doch viel zu eng sitzende, schwarze Jinglers Moonwashed-Latzhose erleben durfte. Dazu natürlich den geilen Ringelnicki, der die besten Zeiten lange hinter sich hatte und an den Ärmeln auch schon wieder ein Stückchen kürzer war. Insgeheim hatte er nicht mehr damit gerechnet, hatte eher im Gegenteil befürchtet, dass beides schon irgendwo in den Müllsack geknubbelt auf den nächsten Altkleidertermin warten würde. Oder vielleicht auch einfach nur in der Mülltonne gelandet wäre, aber dafür kannte er Emmas Mama noch nicht gut genug. Genauso wie bei Anna, wo er auch nicht im Leben mehr damit gerechnet hatte, dass sie ihre kurze, enge Lederhose mit den süßen Trägerchen noch einmal zu Schule anziehen würde. Kevin war so glücklich.

Ich hatte mal wieder meine alte Rocky-Latzhose vorgekramt, die ich schon seit geraumer Zeit nicht mehr zu Arbeit angezogen hatte. Aber irgendwie war mir heute danach zumal das Wetter es mal wieder zuließ, ohne Jacke aus dem Haus gehen zu können. Das Gefühl beim Anziehen war immer noch einmalig – ich könnte Anna durchaus verstehen, dass sie sich doch ihre Latzhosen, die schon in der Altkleidersammlung waren und um ein Haar im Schredder geendet wären, noch einmal zurückgeholt hat, auch wenn ich mir so eine Aktion nicht zugetraut hätte. Aber da ist Anna halt anders als ich, hartnäckiger, aber auch schmerzfreier. Was hätte denn auch passieren können? Erwischt werden? Na und …

Noch gingen ihre Latzhosen so einigermaßen, grenzwertig – aber ja durchaus: finales Endstadium halt. Eng ja, aber noch nicht so eng, dass die Knöpfe nicht mehr zu gehen. Und von der Länge her knapp, ja die Hosenträgerchen saßen im letzten Loch und durchaus stramm, aber solange die Knöpfe noch nicht nachgaben und abrissen oder die Hosennaht bei jeder kleinsten Bewegung aufzuplatzen drohte, war es mit eigentlich egal: Ich konnte und wollte Anna eh keine Vorschriften mehr machen, wie sie herum zu laufen hat. Und wenn sie doch mal wieder in kurzer, enger Lederhose zur Schule will, was soll‘s? Was wird schon groß passieren? Kevin wird’s mögen – der war ja schon tot traurig, als seine in die Altkleidersammlung ging, und Emma wird vielleicht ein wenig eifersüchtig sein, was der ganzen Sachen vielleicht sogar ein wenig gut tun wird.

Anna saß inzwischen ein paar Reihen vor Kevin, saß auf ihrem Stuhl nach vorne vorgebeugt über den Tisch, so dass ihre Hosenträgerchen so richtig schön spannten und Kevin freien Blick auf ihren knackig süßen Lederpopo hatten. Au man, was war die Hose abgewetzt am Hintern, deutliche Kratzspuren vom Fußball spielen am Ascheplatz, wo Anna keine Rücksicht walten ließ und es geradezu liebte, mit dem Hosenboden über den Platz zu rutschen. Dafür beneidete Kevin sie immer noch, sie durfte, er schon eine ganze Weile nicht mehr – auch wenn er selbst immer noch lieben gern gemocht hätte. Aber das war seiner Mama nicht beizubringen und er wusste genau, selbst wenn er von irgendwo eine Lederhose geschenkt bekäme, das gäbe nur Ärger und er dürfte die Hose sowieso nicht anziehen. Nein, das Thema war durch – wobei er durchaus das Verlangen in sich spürte, aber noch ein weiteres Mal würde er sich nicht an Annas Lederhose vergreifen, jedenfalls nicht ungefragt. Wenn sie es ihm allerdings mal anbieten würde, dann würde er vermutlich schwach werden und nicht widerstehen, dann wäre es ihm auch egal, was Emma sagen würde.

Emma saß die ganze Zeit wie bedrückt neben ihm, sagte nichts, schwieg – lächelte noch nicht einmal. Kevin legte sich die ganze Zeit die Worte zu recht, mit denen er auf Emma in der Pause zugehen wollte, sie doch endlich mal fragen wollte, warum sie so aus heiterem Himmel und ausgerechnet heute dann doch nochmal ihre alte Latzhose und den dazu passenden Ringelnicki an hatte. Wollte sie unbedingt noch einmal – bevor die Sachen dann doch unweigerlich in die Entsorgung gehen? Wollte sie ihm gar bewusst eine Freude damit machen? Aber warum dann ausgerechnet heute, und warum ausgerechnet immer donnerstags – denn in der Tat, wenn sie Latzjeans und Nicki trug, dann donnerstags. Oder musste sie etwa? Lies sie sich immer noch von ihrer Mama vorschreiben, was sie anziehen sollte? Nein, das konnte Kevin sich nicht vorstellen. Ihm war schon bewusst, dies hier und heute könnte durchaus das letzte Mal sein, so wie eng wie die Sachen inzwischen saßen. Und ihm war auch klar – dafür kannte er Emmas Mama auch schon gut genug – dass die Klamotten, die schon fast bei Tante Melanie im Müllsack für die Altkleidersammlung geendet wären, nicht mehr für die kleine Schwester aufgehoben würden, und auch nicht anderweitig verschenkt. Da war Emmas Mama kein Typ für …

Kevin zögerte noch, als es zur ersten kleinen Pause klingelte und eh er sich versehen hatte, war Emma auch schon außer Sichtweite. Sie wich ihm irgendwie aus, vermied seine Nähe, war komisch drauf und fühlte sich unwohl. Aber er wollte nun endlich wissen, warum, weshalb und wieso? Ja, es war nun mal sein Lieblingsoutfit an ihr, das was ihn so richtig wuschig machte und wo er doch so wunderschöne, aber gleichzeitig auch traurige Erinnerungen mit verband. Und ja, ihre neue Levis Latzjeans war irgendwie auch total schön, aber völlig halt völlig anders, nämlich eben nicht die, die schon Geschichten erzählen konnte, die bei Lena ein kurzes, fast schon langweiliges Vorleben hatte. Eine Geschichte, die er faszinierend fand, die alle anderen außer ihm jedoch überhaupt nicht wahrnehmen würden. Für die ist das doch nur ein Stück Stoff, genauso wie der Nicki – der in den Augen der meisten eher ein brauchbarer, weil flauschig weicher Putzlappen ist, als denn ein super-cooler Pullover, den er doch damals in Form seines roten Kapuzennickis doch so sehr geliebt hat.

Anna hingegen nutze die kleine Pause, um doch mal wieder mit Kevin zu flirten. Immer wieder schaute sie zu ihm herüber und war insgeheim etwas angefressen, dass ausgerechnet heute Emma nochmal in ihrer alten Latzjeans auftauchte. Denn Anna wusste ganz genau, dass es das war, wo Kevin drauf abfuhr – aber für ihre schokobraune Lederlatzhose war es heute einfach viel zu warm. Anna mochte das Teil irgendwie immer noch, auch wenn sie sich nicht sicher war, ob sie jemals noch einmal die Gelegenheit bekäme, sie zu tragen. Denn kaputt machen wollte sie die ja nun schließlich auch nicht.
AnnasMama
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Re: Anna

Beitrag von AnnasMama »

Diesmal kommen auch die Schuhfestis mal wieder ein wenig auf ihre Kosten, ich hoffe, es gefällt Euch :D

Anna freute sich des schönen Wetters, es war angenehm warm geworden – noch nicht zu brüllend heiß wie im Hochsommer, aber schon so, dass T-Shirt und kurze Lederhose ausreichten. Sie fühlte sich außergewöhnlich wohl, genoss sichtlich die Enge ihrer Hose und die strammen Hosenträgerchen, die inzwischen so stramm saßen, dass beim Sitzen tiefe Furchen am Rücken entstanden. Eigentlich wäre es Zeit, die Dinger endlich mal abzumachen, aber irgendwie gehörten sie für Anna einfach dazu. Eine Lederhose ohne Trägerchen war für sie nur eine halbe Lederhose, und da sie schon im letzten Loch saßen blieb ihr eigentlich keine andere Chance als Augen zu und durch. Auch an den Oberschenkeln saß die Hose mittlerweile mehr als nur hauteng – was aber bei dem weichen und durchaus bequemen Leder ihr nichts ausmachte. Sie war froh und glücklich darüber, das Teil vor dem sicheren Tod im Reißwolf bewahrt zu haben – hatte mit der Rettungsaktion zusammen mit Tia alles richtig gemacht und nutzte den Augenblick, denn eines war ihr absolut klar: Wenn sie weiter zunehmen würde (was in ihrem Alter und bei ihrer Größe durchaus noch zu erwarten war), würde sie eines Tages definitiv nicht mehr hineinpassen.

Kevin indes war noch viel zu sehr mit sich selbst und mit Emma beschäftigt, um Annas Flirtversuche wahrnehmen zu können. Emma machte einen sichtlich genervten, fast schon frustrierten Eindruck und Kevin bildete sich ein, dass Latzhose und Ringelnicki im Vergleich zum letzten Mal wieder ein kleines Stückchen enger geworden waren. Er war sich sicher, die Tage für beide Sachen sind längst gezählt und bei Emma befürchtete er ein leises, schnelles Ende – zumal Emma in letzter Zeit eigentlich viel öfters und lieber in ihrer Levis Latzhose zur Schule kam. Sollte es also heute wirklich das letzte Mal gewesen sein, wo er Emma in der knackig engen Jinglers Moonwashed Latzhose und dem süßen Ringelnicki zu sehen bekommt? Vielleicht sollte er sich für heute Nachmittag mit ihr verabreden, den Tag und den Abend mit ihr zusammen verbringen, um endlich hinter das Geheimnis zu kommen, warum sie ausgerechnet heute wieder in den alten Klamotten zur Schule kam. Denn wenn Emma in letzter Zeit die Jinglers zur Schule an hatte, dann immer donnerstags und dann auch immer nur für einen Tag. An allen anderen Wochentagen hätte er sich das durchaus vorstellen können, montags zum Beispiel, wenn sie ganz in Gedanken morgens die Hose wieder anziehen würde, die sie sonntags (so vermutete er jedenfalls) für zu Hause zum Auftragen an hatte.

Nein, so sehr er auch darüber nachdachte und grübelte, ihm fiel keine Lösung ein. Emma hatte auch mittwochs nachmittags nichts, wo die alte Latzhose und der Nicki passend gewesen wären. Keine Gruppenstunde, kein Sportverein, kein nichts – und schließlich war er auch mittwochs schon oft genug bei ihr gewesen. Manchmal trug sie noch genau die Sachen, die sie morgens schon zur Schule an hatte – wobei sie sich auch ab und zu noch umgezogen hatte und für zu Hause alte Klamotten trug. Aber auch da in letzter Zeit nur sehr selten die alte Latzhose – Kevin war mehr als nur irritiert. Eines war ihm jedoch klar, die Zeit läuft langsam aber sicher davon und obwohl Hose und Nicki äußerlich noch nicht kaputt oder durchgeschlissen waren, waren die Gebrauchsspuren mehr als deutlich sichtbar. Aus dem einst kräftigen Schwarz war ein verwaschenes Dunkelgrau geworden, der Nicki war ausgeleiert und schlabberig geworden, auch wenn er bei Emma ziemlich knapp saß. Kevin ahnte, was den Sachen bevorstand, hatte aber auch keine Idee, wie er eingreifen könnte: Für Saskia wäre beides wohl nichts, er konnte sich nicht vorstellen, dass sie an den Sachen Gefallen finden könnte. Aber für wen dann? Und was würde Heike sagen, wenn er mit Emmas Altkleidern zu Hause ankäme? Das Risiko Ärger zu bekommen war einfach zu groß.

Und überhaupt war es heute noch nicht einmal einfach, mir Emma ins Gespräch zu kommen. In der kleinen Pause war sie überhaupt nicht zu sehen und in der ersten großen zog sie demonstrativ ihre glänzend-rote Adidas Regenjacke an, als wolle sie unbedingt ihre alte Latzhose und den Nicki verstecken. Emma zog sich zurück, und Kevin war sich auf einmal überhaupt nicht mehr sicher, ob er sie auf ihre Klamotten ansprechen solle oder nicht. Doch instinktiv spürte er, dass etwas nicht richtig war und dass er – wenn er das Geheimnis lüften wollte – er sie ansprechen muss, und nicht darauf warten sollte, dass sie ihn anspricht. Au man, was kann das Leben kompliziert sein – aber irgendwie ergab sich auch in der ersten großen Pause keine Gelegenheit, mit Emma in Ruhe ins Gespräch zu kommen. Denn es war Anna, die irgendwie immer in Kevins Nähe sein wollte, mit ihm flirtete, was das Zeugs hielt und ihn durchaus in Versuchung brachte, so wie sie vor ihm stand.

Ja, es lief ihm das Wasser im Munde zusammen und er wunderte sich sehr über Annas Aktivitäten, die doch lange Zeit gar nichts mit ihm zu tun haben wollte, nachdem er beim Sportunterricht unerlaubterweise ihre Latzhose aus schokoladenbraunem Kunstleder anprobieren musste, wobei prompt am Latz ein Knopf abreißen musste. Er versuchte sich zu beherrschen, denn heute stand natürlich auch wieder Sport auf dem Programm – und nein, ein zweites Mal den gleichen Fehler machen würde er sicherlich nicht. Auch wenn er es aus durchaus reizvoll empfunden hätte, Emma Latzjeans ein vermutlich letztes Mal in den Finger halten zu dürfen oder gar der Versuchung zu erliegen, in Annas kurze Lederhose reinzuschlüpfen, nein die Erfahrung hatte gereicht und die Konsequenzen waren immer noch hart für ihn zu spüren. Denn auch wenn Emmas Latzhose gefühlt am Ende war und die nächsten Tage oder Wochen vermutlich nicht überleben würde, nein nochmal – nein, nicht. Oder etwa doch? Wenn nicht heute, wann dann? Warum bricht Emma nicht endlich ihr Schweigen und warum lässt Anna nicht zu, dass Kevin endlich mal ungestört mit ihr quatschen kann.

Zur vierten Stunde stand Sport auf dem Stundenplan – bei dem schönen Wetter natürlich Fußball auf dem Aschenplatz. Mit einen breiten Grinsen hatte Anna ruckzuck mit dem Sportlehrer klar gemacht, dass sie natürlich und selbstverständlich in kurzer Lederhose spielen würde (denn leider und bedauerlicherweise hatte sie keine extra Sporthose dabei). „Ausnahmsweise und auch nur heute“ grinste der Sportlehrer zurück und man hätte durchaus den Eindruck haben können, dass Annas Outfit nochmals zur Verbesserung der schon durchaus guten Sportnote hätte beitragen können. Unter Emmas alter Latzhose kam ein ebenso alter und enger Adidas Sprintershorts zum Vorschein, den sie in letzter Zeit ab und zu mal unregelmäßig zum Sport angezogen hatte. Die besten Tage hatte der auch schon lange hinter sich und Kevin war natürlich sofort scharf auf sie. Latzhose und Nicki hatte sie lustlos in der Umkleidekabine über die Bank geworfen, dass die Latzhose runtergerutscht und nun mehr auf dem Fußboden im Dreck lag, war ihr eh egal. „Je dreckiger desto besser“ dachte sich Emma. Denn dann hätte Mama vielleicht endlich ein Einsehen und würde die Latzhose endlich mit in die Verwertung geben und sie bräuchte sie nicht mehr zur Schule und zu Tante Melanie anziehen. Doch bislang wanderte die Hose tags drauf immer wieder in die Waschmaschine, zusammen mit dem Nicki, und beides frisch gewaschen zurück in ihren Kleiderschrank, anstatt in den Altkleidersack. Aber sie war durchaus voller Hoffnung, dass sich das Thema in Kürze endlich erledigen würde.

Die Schulstunde Sport verging wie im Fluge – Emma war lustlos und unmotiviert. Neben Kevin war sie die einzige in engen Sprintershorts, und vor allem war sie offenbar auch die einzige, die auch zum Schulsport gebrauchtes Zeugs tragen musste. Jedenfalls sahen die anderen Sachen viel neuer aus, gepflegter und es war auch keinesfalls so, dass die anderen Jungen und Mädchen in ihrer Klasse immer nur in den gleichen Sachen erschienen. Selbst Kevin, der noch an seinem schwarz-/weißen Shorts festhielt hatte zumindest immer verschiedene, dazu passende Adidas T-Shirts an, wohin gegen sie nur No-Name Shirts hatte. Bei den Turnschuhen war’s übrigens ähnlich – hier musste sie zwar nichts Gebrauchtes tragen, dafür umso mehr das, was billig war und nicht gerade schön und in. Kevins Sambas hätte sie auch gerne gehabt, oder die geilen Air Force 1 von Nike, so wie Anna sie von Tia geschenkt bekommen hatte, oder wie sie Lena seit etwas mehr als einem Jahr immer mal wieder trug. Aber seit dem sie ihre weiß-/blauen Superstars bekommen hatte, in die sie sich extra dazu passend blaue Schnürsenkel eingezogen hatte, trug sie die Nikes immer seltener. Im Winter sowieso viel lieber Stiefel, UGGs natürlich, die regelmäßig im Oktober/November gekauft wurden und egal, wie sie vom Zustand her waren oder ob sie noch passten, im März/April spätestens wieder verschwunden waren. Lena fragte nie groß nach, denn sie konnte sich ja sicher sein, zur nächsten Saison wieder problemlos mit den neuesten Modellen beschenkt zu werden.

Lena hatte heute schon nach der vierten Stunde Schluss, und „parkte“ wie gewohnt ihre Superstars draußen vor der Wohnungstür, direkt neben den Air Force 1, die sie gestern Nachmittags nach langer Zeit mal wieder angezogen und für etwas zu eng befunden hatte. „Wenn die zu eng sind, dann wirf sie gefälligst in die Mülltonne!“ hatte Tante Melanie abends gemahnt und war sichtlich genervt, dass der Müll immer noch im Hausflur stand, als sie von der Schule zurückkam. „Was stehen die denn immer noch hier?“ fragte sie genervt. „Ich hab‘ doch gestern Abend was dazu gesagt …“ – „Mach ich nachher …“ grummelte Lena und verzog sich in ihr Zimmer. „Denk dran, Emma kommt nachher zum Mittagessen. Und zieh bitte was Altes an für zu Hause, Dein Jogginganzug liegt über’m Stuhl!“ – „Die Hose ist durch Mama, hab‘ ich doch gestern schon gesagt, dass die weg kann! Die zieh ich jedenfalls nicht mehr an, auch nicht für zu Hause!“ – „Dann zieh die hier an!“ meinte Tante Melanie genervt und drückte ihr eine, alte gebrauchte Jeans in die Hand, die sie letzten geschenkt bekommen hatte. „Für zu Hause ist die noch gut …“ – „Ihhhhh, das ist ja ‘ne Latzhose! Die kannst’e direkt in mit in die Tonne werden - oder notfalls noch Emma andrehen – aber ich zieh die bestimmt nicht an! Aus dem Alter bin ich raus, Mama!“

„Du willst doch demnächst bestimmt nochmal wieder neue Turnschuhe haben, oder?“ Mist – das war ihr Totschlagargument, wo sie Lena jedes Mal wieder mit packen konnte. Klar wollte sie, denn die Air Force 1 waren zwar nicht wirklich zu eng, aber wenn man Mama glaubhaft was vorknatscht und immer wieder stock und steif behauptet, dass dem so wäre, irgendwann ist sie halt überzeugt. Und dass sie die alten Schuhe noch nicht wie erwartet entsorgt hatte, lag einzig und allein an Lenas Faulheit und Bequemlichkeit. Mit so profanen Dingen wie Müll runter bringen können sich andere drum kümmern, recht machen kann sie es Mama doch sowieso nicht. Und so zog sie mehr als widerwillig zum alten Joggingoberteil die von Tante Melanie gereichte Latzhose – immerhin ein noch recht aktuelle, blaue von H&M aus der Vorsaison – oder vielleicht doch schon eher zwei, drei Jahre alt und durchaus oft getragen – egal, für einmal wird’s gehen, und wenn sie erstmal ihre neuen Turnschuhe hat, wird sie die Latzhose sicherlich nicht mehr anziehen, auch nicht für zu Hause, und erst recht nicht, wenn Emma kommt. „Die wird‘ ich Emma schon schmackhaft machen“, dachte sie und wenn nicht, im Altkleidersack ist diesmal noch viel Platz, da wird es wohl kaum auffallen, wenn sie die bei Gelegenheit dort verschwinden lässt.
AnnasMama
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Re: Anna

Beitrag von AnnasMama »

Nach dem Sportunterricht zog Emma nur rasch ihren Ringelnicki drüber und verschwand in roten, engen Sprintershorts in die Pause. Die alte Jinglers Latzjeans schnell mit dem verschwitzten T-Shirt zusammen in den Rucksack geknubbelt, am liebsten hätte sie die einfach im Umkleideraum zurückgelassen, einfach vergessen, nicht mehr dran gedacht und insgeheim gehofft, dass wenn Mama sie nach der Schule drauf aufmerksam gemacht hätte, sie inzwischen von den Putzfrauen, die nach der 6. Stunde die Räume putzen achtlos mit im Müll entsorgt worden wäre. Dann wäre sie das olle Ding endlich los – aber das würde bestimmt mordsmäßigen Ärger geben – wie beim letzten Mal, als sie ein nagelneues T-Shirt vergessen hatte, was danach auch nie wieder aufgetaucht ist. Von daher hatte sie – nach einem Moment des Zögerns – die Jeans dann doch nicht ihrem Schicksal überlassen. Und prompt lief sie natürlich auch Kevin in die Arme, der – weil Anna zum Glück weit genug weg war – die Initiative ergriff und Emma endlich drauf ansprach:

„Hey, wo hast Du denn Deine coole Latzi? Du gehst doch sonst auch nicht in Sportzeugs nach Hause?“ – „Cool?“ fragte Emma erstaunt. „Du findest das olle Ding echt noch cool? Die ist doch inzwischen sowas von eng und unbequem geworden – so richtig uncool. Ich wäre froh, wenn die endlich mit weg könnte …“ Kevin war erstaunt, damit hätte er nicht gerechnet und fragte nochmal nach: „Und warum trägst Du die dann überhaupt noch?“ – „Nur Mama zu Liebe. Wir sind heute Mittag bei meiner Cousine zum Mittagessen, Du weißt doch, von der hab‘ ich die Latzhose doch geschenkt bekommen. Und Mama meint immer, ich solle die dann halt anziehen – obwohl die so eng und unbequem geworden ist …“ Kevin grinste, unbequem war in der Tat uncool, aber gerade das eng sitzende mochte er so sehr an Emmas schwarzer Jinglers.

So, so – wenn es also nach Emma ginge, hätte die Jinglers nun ihr finales Endstadium erreicht. Gut, sie saß in der Tat ziemlich eng, was Kevin total begeisterte, aber leider sah er auch keine Chance zum Eingreifen. Saskia, die sonst immer seine alten Klamotten aufbrauchen durfte, hatte längst kein Interesse mehr an Latzhosen, Anna – so war er sich sicher – würde gar nicht erst hineinpassen und sonst fiel ihm auch niemand mehr ein, dem er mit dem Teil hätte eine Freude machen können. Außerdem wäre Heike, seine Mama, vermutlich total ausgerastet, wenn er Altkleider von seinen Klassenkameradinnen angeschleppt hätte - vermutlich hätte es sofort mordmäßigen Ärger gegeben und die Hose wäre zusammen mit weiß der Geier was Mama dann in dem Moment noch in die Finger bekommen hätte geradewegs in den Müll gegangen, inklusive Stubenarrest (den er zum Glück schon lange nicht mehr hatte).

Dennoch war Kevin neugierig und fragte „Und was wird nun aus Deiner süßen Jinglers?“ – „Keine Ahnung – interessiert mich auch nicht“ erwiderte Emma patzig. „Ich hoffe nicht, dass ich die nochmal anziehen muss, alles andere ist mir echt total egal …“ Kevin war schockiert über Emmas Gleichgültigkeit. Er hätte jetzt schon erwartet, nein viel mehr gewünscht, dass Emma sie ihrer kleinen Schwester zumindest mal schmackhaft machen würde – aber so? Kevins Kribbeln wurde intensiver, stellte er sich doch gerade vor seinem geistigen Auge vor, wie lieblos Emma ihre Latzhose ihrem weiteren Schicksal überlassen würde und fürchtete das Schlimmste, denn immerhin hatte sie ihre besten Zeiten lange hinter sich. Kevin ahnte, was ihr bevor stand: lieblos würde sie in den nächsten Altkleidersack geknubbelt, ungewaschen, so dreckig, verschwitzt und getragen wie sie halt war, denn wozu noch verbrauchte Klamotten im finalen Endstadium nochmal frisch durchwaschen und liebevoll zusammenfalten, wenn sie sowieso unbeachtet direkt den Weg in Richtung Reißwolf gehen. Denn das war Kevin klar, die Überlebenschancen dort sind für solch abgetragenen Sachen gleich Null. Er mochte Emma und ihre Latzjeans immer noch gerne und etwas enttäuscht war, dass er sie nun vermutlich nicht mehr darin wiedersehen würde. Wobei der Anblick in engen, roten Sprintershorts in Tateinheit mit dem abgeliebten Ringelnicki durchaus auch ihren Reiz hatte. „Pass nur auf, dass Du keinen Ärger bekommst, wenn Deine Mama dich in der engen Turnhose sieht!“ grinste Kevin zu ihr rüber und Emma erschrak: „Meinst Du?“

Kevin hatte vermutlich Recht – wenn Mama sie so sehen würde, wäre das vermutlich nicht nur mit Riesenärger verbunden, sondern auch mit einem ganz schnellen Ende der inzwischen doch eng gewordenen und durchaus geliebten (weil eben echte Adidas) glänzenden, roten Sprintershorts, die natürlich diejenigen waren, die ohne Innenslip auskamen und von Emma auf nackter Haut ohne etwas drunter getragen wurden. Emma war in der Zwickmühle: Auf der einen Seite hatte sie keinen Bock mehr auf die schwarze Jinglers und wäre am liebsten in den Glanzshorts bei Tante Melanie und Lena erschienen – auf der anderen Seite wollte sie hierfür natürlich auch nicht in Glanzshorts opfern, die sie in letzter Zeit mehr oder weniger heimlich zum Sportunterricht angezogen hatte. Aber sie genoss die letzten beiden Schulstunden in kurzen Hosen, der Ringelnicki wirkte etwas komisch, hatte aber insbesondere für Kevin durchaus seinen Reiz. Und ja, Nickis liebte er immer noch sehr und dieses Exemplar, was Emma heute trug würde er wohl auch so schnell nicht mehr wieder sehen fürchtete er jedenfalls. Denn den hatte Emma bislang jedenfalls immer nur zur alten Latzhose getragen.

Sichtlich genervt wartete Emma nach dem Ende der 6. Stunde, dass alle anderen den Klassenraum verlassen hatten um dann doch wieder die Latzhose anzuziehen. Die offene Konfrontation mit Mama wollte sie dann doch lieber aus dem Weg gehen. Anna hatte Kevin abgepasst und so gingen beide den Weg zusammen nach Hause. Und ja, auch Anna sah immer noch zum Anbeißen süß aus und flirtete die ganze Zeit mit Kevin, der sich jedoch nichts anmerken ließ. „Hast Du eigentlich inzwischen mal wieder ‘ne Lederhose bekommen?“ fragte Anna neugierig. „Neee, leider nicht“ erwiderte Kevin. „Lässt Mama nicht zu – hab‘ aber auch schon lange keine mehr irgendwo gesehen. Find’s aber geil, dass Du Deine noch tragen darfst. Steht Dir gut!“ – „Die Latzhose gefällt mir aber auch gut an Dir!“ lächelte Anna verlegen und es schien, als wäre das erste Eis wieder gebrochen. „Bist Du mir eigentlich noch böse wegen der Sache damals mit Deiner Lederhose?“ Anna grinste, fing laut an zu lachen und gab‘ ihm einen dicken, fetten Schmatzer auf die Wange „Ach Kevin, ist doch nicht wirklich was passiert – längst vergessen!“ Kevin fiel ein riesengroßer Stein vom Herzen, war erleichtert und bemerkte gar nicht, wie Anna dabei war, ihn zu verführen. Dabei war er doch inzwischen glücklich mit Emma zusammen.

Aber Anna hatte für Kevin auch was, was Emma nicht hatte – und vermutlich nach der Aktion von heute Morgen auch niemals haben wird: Leidenschaft. Emma in kurzer Lederhose: undenkbar, in weicher Kunstlederjeans: nie und nimmer, in ihrer Jinglers: vermutlich nie wieder. In der neuen Levis Latzjeans, die sie auch in letzter Zeit kaum noch trug sah sie so brav aus. Klar, die Hose war noch relativ neu, noch nicht oft gewaschen und passte mehr als gut und reichlich, um nicht zu sagen, sie war aus Kevins Perspektive eindeutig noch zu groß. Viel zu lange weg vom doch so geliebte finalen Endstadium, obwohl wenn Emma keinen Bock mehr hatte, was dieses auch ruckzuck erreicht, auch wenn die Klamotten selbst noch meilenweit davon entfernt waren, aufgebraucht zu wirken. Anna hingegen sah man schon von weitem an, dass sie Leder liebt und aus Leidenschaft trägt, auch wenn ihr die Sachen, die sie vor dem Reißwolf gerettet hat eigentlich schon nicht mehr passen. Jedoch genau das macht es aus, das ist das besondere an ihr, das, was Kevin so sehr mag: Klamotten, im finalen Endstadium, die noch mit viel Liebe gehegt und gepflegt werden, wobei eigentlich schon lange feststeht, dass ihr Ende näht und sie irgendwann nicht mehr da sein werden, im Müll enden, oder im unbarmherzigen Reißwolf beim Textilverwerter um die Ecke. All das war Kevin durchaus bewusst, und genau das war es, was ihn so sehr faszinierte, dass er beim Gedanken daran Erregung verspürte.

„Trägst Du denn Deine Lederlatzhose noch?“ fragte Kevin neugierig. „Natürlich“ entgegnete Anna voller Stolz. „Die mag ich immer noch am liebsten. Die ist so wunderschön weich und eng – nur bei dem Wetter viel zu warm! Dann trag ich lieber noch die kurze hier, so lange es noch geht!“ – „Die ist ja auch cool, genauso cool wie meine damals – schade, dass meine Mama die in die Altkleidersammlung gegeben hat – da hast Du mit Deiner Mama echt Glück!“ – „Da hast Du recht Kevin“ meinte Anna daraufhin. „Zum Glück schmeißt meine Mama nichts mehr ohne meine Zustimmung weg – und sie zwingt mich auch nicht was wegzuschmeißen, obwohl sie manchmal hartnäckig sein kann und dann nur noch nervt. Von daher lässt mich meine Mama auch so zur Schule – wo ich echt happy drüber bin.“ – „Und ich bin froh, dass ich wenigstens die Levis Latzhose anziehen darf …“ lächelte Kevin. „Wobei: Wer weiß wie lange noch …“ – „Mensch Kevin, bist doch alt genug – musst Dich auch mal gegen Heike durchsetzen und selbst bestimmen, was Du anziehen möchtest!“ – „Ach, das ist leichter gesagt als getan“ schaute Kevin frustriert rein.

„Da bist Du ja endlich – drömel nicht so rum und komm schnell. Wir wollen doch zu Lena und Tante Melanie …“ – Emma machte einen genervten Eindruck, hatte ihre Latzhose wieder anzogen und trug den alten Ringelnicki wie von Mama erwartet unterm Latz. „Was ist denn nur los mit Dir, Emma? Ziehst ‘ne Fleppe wie 10 Tage Regenwetter – nu mach‘ schön …“ – „Ach nichts“ erwiderte Emma genervt. Jetzt Mama zu erklären, warum sie keinen Bock mehr auf die alte Latzhose und den abgetragenen Ringelnicki hatte und sie – wenn überhaupt heute – viel lieber die neue Levis Latzjeans und ein passendes T-Shirt zu Tante Melanie angezogen hätte. Sie fühlte sich sichtlich unwohl, hätte am liebsten gekniffen und wäre nach Hause gegangen, aber bei Tante Melanie bestand durchaus die Hoffnung, doch mal was cooles von Lena abgreifen zu können, was Mama ihr nie im Leben gekauft hätte und sonst (weil Tante Melanie keine anderen Abnehmer für Lenas Anziehsachen hat) in die Altkleidersammlung gegangen wäre. Emma freute sich zwar immer noch, dass Tante Melanie ihr die alte Latzhose extra noch vorbeigebracht hatte, nachdem ihre Telefonaktion in Querverweisen statt Lösungen zu enden drohte. Sie hatte schönes damit erlebt, aber nun war – zumindest für Emma – die Zeit gekommen, wo das von Kevin so geliebte „finale Endstadium“ kurz bevorstand. Auch wenn Mama und bestimmt auch Tante Melanie es anders sehen würden.

Emma klingelte an der Haustüre, Tante Melanie machte auf und beide stiefelten das Treppenhaus hinauf, wo sie in der zweiten Etage bereits erwartet wurden. „Cool – die möchte ich auch gerne mal haben …“ – „Was denn?“ – „Sind das echte Nike Air Force One?“ fragte Emma und zeigte auf die Turnschuhe, die neben den weißen Adidas Superstars vor der Tür standen. „Emmaaaa“ sah Mama sie an, als wollte sie sagen, fang jetzt bloß nicht wieder an zu quengeln. Und Tante Melanie wurde ebenfalls böse und rief zu Lena „Die Nikes sollten doch mit in die Tonne, wenn sie Dir nicht mehr passen! Warum liegen die hier immer noch im Weg vor der Tür? Muss ich eigentlich immer selbst den Müll runterbringen?“
AnnasMama
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Re: Anna

Beitrag von AnnasMama »

Welch eine Begrüßung – Mama bockig, weil Emma auf die Nike Air Force 1 zeigte, die schon lange auf ihrem Wunschzettel standen und Tante Melanie stinkig, weil Lena ihren Müll nicht alleine runterbringen konnte. Denn eigentlich sollte Lena die Turnschuhe gar nicht mehr zu Gesicht bekommen haben, um unnötige Diskussionen zu vermeiden. Denn Emmas Mama und auch Tante Melanie war sonnenklar, dass Emma – wenn sie die Air Force 1 vor der Tür oder bei Lena im Zimmer sehen würde, natürlich auf dumme Gedanken kommen würde. Und Tante Melanie war ja durchaus großzügig im Verschenken, aber bei getragenen Schuhen und Lenas Schweißfüßen hörte der Spaß auf. Obwohl man den Schuhen oft von außen nichts ansehen konnte und Lena fast immer Einlagen trug, mochte Tante Melanie sie keinesfalls mehr weiterverschenken. Nein, sowas ging bei ihr immer und grundsätzlich in die Mülltonne und nicht mehr – wie man durchaus meinen könnte – in die Altkleidersammlung oder in den Schuhcontainer.

„Mama, jetzt beruhige Dich bitte mal wieder – ich bring‘ die gleich schon runter …“ versprach Lena. worauf hin Tante Melanie die Schuhe wieder los ließ und sie auf den Treppenhausboden aufschlugen. Emma blieb hingegen das Herz stehen – die konnte und wollte nicht verstehen, was da gerade abging – aber offenbar hatte sie auch keine große Chance einzugreifen ohne sich Ärger von Mama oder Tante Melanie einzufangen. Da stand also ihr Traum von Turnschuh zum Greifen nahe, und dann auch noch durchaus sauber und gepflegt und warteten lieblos fallengelassen darauf, dass sie in Kürze erbarmungslos in die Mülltonne wandern würden. Emmas Laune war noch mieser als sie jetzt schon war.

„So, nun kommt erstmal rein – zieh die Jacke aus, ist doch eh schon so warm geworden heute“ Emma öffnete, leise und fast schon in Zeitlupe den Reißverschluss ihrer Regenjacke und wusste ganz genau, was ihr bevor stand- „Wie süß – jetzt sag bloß, Lenas alte Latzhose passt Dir immer noch? Dass Du die immer noch anziehst – da hab‘ ich Dir doch bestimmt ‘ne Riesenfreude mit gemacht, oder? Und der Ringelnicki passt auch ganz toll dazu – sieht richtig gut aus!“ Emma ließ – wie jedes Mal – den Komplimenteregen über sich ergehen und wagte sich nicht, zu widersprechen. „Lenas Latzhose sieht auch total cool aus, ist die neu?“ – „Nee gebraucht“ warf Lena direkt ein. „hat Mama von ‘ner Freundin geschenkt bekommen – und wär‘ meine Jogginghose nicht an den Knien durch, wäre die jetzt schon im Altkleidersack, wo sie auch hingehört. Mag keine Latzhosen mehr, Du etwa?“ fragte Lena provozierend und wunderte sich zum einen darüber, dass Emma immer noch in ihrer alten, abgetragenen Latzhose – deren Tragespuren von Mal zu Mal deutlich sichtbaren wurden – rumlief und zum anderen, dass beide Mamas ihre Mädchen in alten Latzhosen total süß fanden. „Och, als Rutschhose geht Deine doch noch – die ist wenigstens noch nicht ganz so eng“ versuchte Emma die Situation noch einigermaßen zu retten. „Denn eigentlich zieh‘ ich immer noch ganz gerne Latzhosen an …“ sagte Emma.

Auf dem Weg in die Küche – wo das Mittagessen schon bereit stand – entdeckte Emma den großen, gut gefüllten blauen Müllsack in der Diele, der offenbar schon für die kommende Altkleidersammlung bereitstand. „Brauchst gar nicht so neugierig zu gucken …“ mahnte Tante Melanie Emma, die sichtlich neugierig in Richtung Altkleidersack schaute. „Ist nichts Besonderes drin … - nicht, was für Dich interessant sein könnte“ beruhigte sie. „Mama – mir ist warm! Darf ich nach dem Essen meine Latzhose ausziehen und endlich mit in den Müllsack werfen?“ fragte Lena beim Mittagessen – wobei ihrer Mama fast der Löffel aus der Hand fiel. „Lass die ruhig mal an – als Rutschhose ist die für Dich gut, und wenn Du jetzt nicht bald Ruhe gibst, dann gucke ich nochmal bei Dir, was noch so alles mit weg kann. Und untersteh‘ Dich, die Latzhose in den Sack zu schmuggeln, das gibt Ärger!“ – „Mir ist auch warm …“ ergänzte Emma, die sich jedoch nicht zu fragen traute, ob sie ihre Latzhose ausziehen dürfte. „Wenn Lena ihre Latzhose anlässt, dann Du bitte auch – kannst von mir aus demnächst die Levis zum Rumrutschen nehmen, aber solange ziehst Du die hier noch an. „Die gute Levis als Rutschhose? Nein Mami, dafür ist sie noch zu schade. Dann wirklich die hier, bis es gar nicht mehr geht“ dachte sich Emma und schwieg, um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu werfen. Und obwohl sie auch Lenas Latzjeans, die sie zum Aufbrauchen bekommen hatte ganz gut leiden könnte, wagte sie sich nicht danach zu fragen. Wenn Lena sie zum Rutschen bekommt, ist die eh meist ganz schnell an den Knien durch – Schade eigentlich, aber es gibt nichts Schlimmeres als Kaputtes oder Geflicktes.

Währenddessen waren auch Anna und Kevin zu Hause angekommen. Anna strahlte wie ein Honigkuchenpferd – hatte sie zwar Kevin noch nicht zurückerobert, jedoch beiden einen großen Schritt nach vorne gemacht. Sie hatte die ganze Zeit ihren Kevin vor Augen, das kleine knuffige Kerlchen, was auch lange in kurzer Lederhose rumlief. Wie gerne würde sie ihn nochmal darin sehen, erleben dürfen, mit ihm kuscheln oder gerne auch mehr. Doch dazwischen stand Heike – die auf so unbarmherzliche Art und Weise seine Lederhose in die Altkleidersammlung gegeben hat. Und es schien fast aussichtslos, Heike auf eine neue Lederhose für Kevin anzusprechen – wobei: Warum eigentlich nicht mal probieren? Mehr als „Nein“ sagen wird sie bestimmt nicht – schließlich lässt sie es ja auch zu, dass Kevin in Latzhosen rumläuft. Vielleicht sollte sie demnächst einfach mal wieder bei Kevin vorbeischauen, wenn sie ihre kurze Lederhose trägt. Mal sehen, was Heike dann sagen wird.

„Du Mama?“ fragte Anna neugierig und mir war klar, dass wenn sie so fragte, sie irgendetwas auf dem Herzen hat. „Hast Du eigentlich inzwischen für Peter ‘ne kurze Lederhose gefunden?“ Stimmt, da war was. „Nein, hab‘ ich noch nicht. Beim Second-Hand-Shop und beim Textilverwerter beides Fehlanzeige – die verwahren auch nichts mehr, sondern schreddern die direkt zusammen mit den anderen Ledersachen. Da bleibt im Moment nichts übrig! Leider!“ – „Schade, Mama – ich suche nämlich auch noch eine …“ – „Für Dich? Willst Du nochmal eine haben, die Dir nicht ganz so eng passt?“ – „Nee, ich würd‘ gern Kevin mit einer überraschen – aber die darf auch nicht ganz so teuer sein, für den Fall das er die dann doch nicht anziehen darf …“ – „Kann ich verstehen, kannst ja selber mal durch die Läden bummeln und wenn Du eine findest, bringst Du die halt mal mit. Vielleicht hast Du ja mehr Glück und es kommt gerade eine rein. Leder schreddern die ja auch nicht jeden Tag – so viel bekommen die ja auch nicht …“

„Wann ziehst Du Deine eigentlich mal wieder an, Mama?“ wollte Anna dann noch von mir wissen. Vielleicht spekulierte sie auch darauf, dass sie die für Kevin abgreifen könnte. „Stimmt, die könnte ich eigentlich heute Abend mal wieder anziehen, wenn wir in den Biergarten gehen. Dann ziehen wir beide mal wieder das gleiche an ist bestimmt auch cool. Ich frag mal Frankie, ob er und Peter auch mitkommen wollen.“ – „Tolle Idee, ich freu mich und fahr gleich nochmal los, nach den Lederhosen zu schauen. Bis später dann, Mami …“ Und schon war Anna wieder angezwitschert, nun, Hausaufgaben hatte sie wenig auf, und das Wenige war schnell erledigt. Ich wünschte ihr noch viel Glück und hoffte, dass sie etwas erfolgreicher wäre als ich. Wenn nicht, dann ist halt am Wochenende nochmal wieder Flohmarkt angesagt, mit ein wenig Glück werden wir da auch fündig. Und wenn nicht, dann bekommt Peter halt zum Fußballspielen was anderes, trägt ja eh kaum noch jemand Lederhosen im Alltag, was ich durchaus schade finde. Dabei sind die Dinger doch so wunderbar robust und pflegeleicht. Ich jedenfalls trage meine immer noch gerne und mit viel Leidenschaft, was sich natürlich auch zu Anna hin übertragen hat. Der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm. Wobei ich ja eigentlich erst wieder durch Anna auf den Geschmack gekommen bin.

So, so, Anna meinte also, ich solle doch auch mal wieder meine kurze Lederhose anziehen. Warum eigentlich nicht, sieht bestimmt süß aus und Frankie wird’s mit Sicherheit auch gefallen. Zumal das Wetter geradezu ideal dafür scheint, herrlichster Sonnenschein schon den ganzen Tag über. Für lange Lederhosen definitiv viel zu warm – meine alte Rocky-Latzjeans wäre in der Tat noch eine Alternative für heute Abend, die hatte ich auch schon eine Weile lang nicht mehr an. Latzhosen mag Frankie ja schließlich auch – je älter und verwaschener, desto geiler. Hauptsache noch nirgends durch, aber das ist bei der Qualität gar kein Thema. Die alten Dinger halten immer noch viel länger als diese dünnen Fuddelsdinger, die man heute ab und zu wieder in den Geschäften findet. Ja, Latzhosen scheinen seit einiger Zeit wohl wieder im Kommen zu sein, hatte ich doch letztens sogar wieder in meinem Lieblings-H&M welche gesehen. Die waren preislich sogar einigermaßen ok. Mal gespannt, ob und wann man die mal draußen in freier Wildbahn sieht und wann die ersten davon den Weg in die Altkleidersäcke antreten. Lange kann das auch nicht mehr dauern.

Vielleicht finde ich ja auf die Art mal ‘ne Gebrauchte für Anna, dann fällt es ihr hoffentlich doch etwas leichter, sich von ihren Latzhosen zu trennen. Und schließlich hatte ich ja auch immer noch eine Überraschung für sie: Katrins alte, gut eingetragene antikbraune Lederlatzhose lag bei mir im Schrank und wartete formlich darauf, von Anna endlich getragen zu werden. Ich fand sie durchaus als würdiger Ersatz für die schokobraune Kunstleder-Latzhose, die eigentlich schon lange das finale Endstadium erreicht hatte. Nach der Rettungsaktion hatte sich Anna noch ein paar Mal hineingezwängt, aber so richtig passte sie ihr schon lange nicht mehr. Ich fürchte, wenn sie die das nächste Mal anziehen will, war’s das dann endgültig, dann wird sie wohl nicht mehr passen und ich bin gespannt, was sie zu Katrins Lederhose sagen wird. Wobei so wie ich sie kenne, wird sie durchaus glücklich darüber sein noch einen adäquaten Ersatz zu bekommen, auch wenn Katrins Exemplar auch schon mehr als deutliche Tragespuren aufweist.

Annas Weg führte sie direkt nach UsedTex, dem großen Textilverwerter bei uns im Ort. In kurzer, enger Lederhose fiel sie sofort den Sortiererinnen auf und eine von ihnen sprach Anna auch direkt an: „Ah, Du musst Anna sein, Deine Mama kenn ich – die war letztens hier und hat nach Lederhosen gesucht …“ – „Stimmt“ nickte sie und war überwältigt von der Größe des Ladens. „Ich hab‘ da was für Dich, schau mal hier um die Ecke in dem Metallbehälter, bei den Ledersachen. Wenn Du davon was haben möchtest, such Dir was aus – der Rest geht demnächst eh mit in den Schredder und auf eine mehr oder weniger kommt es auch nicht drauf an …“. Annas Augen strahlten, vielleicht würde sie ja was finden – eine kurze Lederhose für Peter, so wie Mama sie gerne hätte. Oder vielleicht eine für Kevin, wenn sie die schon geschenkt bekäme wäre das Risiko ja fast gleich Null. Selbst wenn Heike die dann umgehend mit in den nächsten Altkleidersack stopft hätte sie zumindest kein Geld zum Fenster hinaus geworfen. Aber erstmal in aller Seelenruhe schauen, was da neu reingekommen ist und ob da überhaupt was brauchbares bei sein könnte. Denn auch Anna hatte genaueste Vorstellungen, wie eine solche Lederhose auszusehen hätte.
mikel
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Re: Anna

Beitrag von mikel »

Hi Anas Mama ,wenn du mal jacken aussortierst denkst du an mich :) hab nen guten ofen :)

lg Mikel
AnnasMama
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Re: Anna

Beitrag von AnnasMama »

So, ich hatte da noch was „im Petto“ wie man bei uns so schön sagt, etwas, was ich angefangen hatte zu schreiben und dann doch mehr oder weniger unvollendet auf dem Rechner lag kurz bevor das Vernichterforum den Geist aufgab. Vor ein paar Tagen bekam ich dann die Nachricht, dass das Forum wieder online sei. Und siehe da, Anna war noch komplett da, einschließlich der Kommentare dazu. Wenn sich jetzt über lang oder kurz die üblichen Verdächtigen hier wieder tummeln und fleißig kommentieren, könnte es sogar noch ein paar Fortsetzungen geben. Spaß zu schreiben habe ich weiterhin, wenn das geneigte Publikum sich nicht langweilt und mit immer wieder was Neues, spannendes einfällt. Ein paar Sachen sind ja noch da, ein paar Ideen auch.

Zunächst geht’s also erstmal bei Emma weiter, die zum Besuch bei Tante Melanie und ihrer Cousine Lena deren alte, schwarze monnwashed Jinglers Latzjeans und den alten Ringelnicki von ihr, den sie dazu anziehen musste. Sie liebäugelte mit Lenas alten Nike Air Force 1, die ihr inzwischen nicht mehr passten – wurde dabei aber heftigst ausgebremst.

Ich bin immer noch auf der Suche nach einer kurzen Lederhose für Peter, den Sohn von Frankie, mit dem ich seit einiger Zeit zusammen bin. Und Anna liebt immer noch ihre Lederhosen, trägt sie und die Latzhosen, solange sie noch passen, und würde am liebsten Kevin zurückerobern, der inzwischen mit Emma geht. Warten wir also ab, was noch so alles passiert. Kommentare zu Anna wie immer hier.



Emma war total fasziniert von Lenas „neuer“ Latzhose und konnte so gar nicht verstehen, dass sie die nicht leiden mochte und am liebsten gleich in den Altkleidersack gesteckt hätte. Gut, sie war gebraucht, dass sah auch Emma deutlich – obwohl sie schon von Hause aus einen verwaschenen Look hatte. Aber dass Lena sie jetzt als Rutschhose für zu Hause aufbrauchen wollte und am liebsten so lange mit dem Knien über den Teppichboden in ihrem Zimmer gerutscht wäre, bis sie durch sind nur um sie möglichst schnell entsorgen zu können, ging Emma dann doch zu weit. Lena war ein Stückchen größer als Emma, und ihr saß die Hose auch schon etwas knapp – so dass sie Emma eigentlich perfekt passen müsste. Aber Lena die Latzhose jetzt abzuschwatzen, nein das traute sie sich dann doch nicht. Aber vielleicht würde Lena ja einen Wink mit dem Zaunpfahl machen und sie könnte entsprechend reagieren, wenn jedoch nicht sah Emma die Latzhose schneller mit durchgerutschten Knien im Altkleidersack verschwinden, als sie es sich jemals erträumt hätte. Denn es war ihr klar, große Rücksicht war von Lena nicht zu erwarten.

Lena und Emma hatten sich in Lenas Zimmer zurückgezogen und waren somit unter sich. „Ziehst Du Deine Latzhosen etwa noch zur Schule an?“ fragte Lena neugierig. „Na klar, warum auch nicht“ antwortete Emma wie aus der Pistole geschossen. „Du etwa nicht?“ – „Neee, aus dem Alter bin ich schon lange raus“ grinste Lena. „Selbst Deine hatte ich nur zur Schule an als die noch neu war. Nachdem Mama die gewaschen hatte, hatte ich die ‘ne ganze Zeit lang gar nicht mehr an. Irgendwann hatten wir die beim Aussortieren wiedergefunden und da sie noch passte, musste ich die für zu Hause anziehen. Für draußen hab‘ ich dann immer ‘nen Hoodie drübergezogen. Gerne getragen hab‘ ich die aber nicht mehr. Ich mag einfach keine Latzhosen.“ Emma schaute etwas traurig und überrascht drein, worauf hin Lena nachhakte: „Sag bloß etwa, Du würdest die hier anziehen?“ Emma grinste und nickte bescheiden – nur jetzt nichts Falsches sagen. „Ich kann ja Mama mal fragen, ob Du die haben kannst. Freiwillig zieh‘ ich die sowieso nicht noch einmal an!“ erwiderte Lena, worauf hin Emma ein weiteres Mal zustimmend nickte.

Ja, das wär’s, ‘ne coole H&M Latzjeans im verwaschenen Look als Nachfolger für die doch inzwischen fertige Moonwashed-Latzie, am liebsten würde Emma gleich anprobieren und die alte dort lassen, auch wenn sie dann umgehend im blauen Müllsack enden würde. Aber besser ihre als die von Lena, denn bei Tante Melanie weiß man ja auch nicht immer. Die kann manchmal auch ganz schon pingelig sein und dann gehen brauchbare Klamotten dennoch in die Tonne, nur weil irgendwo ein klitzekleiner Fleck zu erkennen ist. Nein, Lenas Latzjeans gefiel ihr wirklich, die kleine Knopftasche am Latz war das besondere etwas. Nur machte Lena keine Anstalten die Jeans auszuziehen, damit Emma sie probieren könnte. So verging der Nachmittag ohne weitere Vorkommnisse. Als Emma und ihre Mama sich auf den Nachhauseweg machten, stellte Tante Melanie noch demonstrativ den Müllsack mit Küchenabfällen, den sie bereits zugeknotet hatte in den Flur, ergriff Lenas Air Force 1 und drückte sie auf den Sack: „Kannst Du beides gleich mit runterbringen, Lena – und bitte keine Widerrede. Schuhbänder kannst Du drin lassen, die Einlagen auch …“

„Ich kann die Sachen auch mit runter bringen, Tante Melanie“ bot Emma sich an. „Nein, lass mal – Lena wo bleibst Du denn? Muss ich denn alles selber machen?“ meckerte ihre Mama und Lena war in ihr Zimmer verschwunden. „Ich geh‘ schon selber – dann kann ich auch sicher sein, dass die in die Tonne gehen …“ und schon war Tante Melanie zusammen mit Emma und ihrer Mama auf dem Weg nach unten, den Müllsack in der linken und die Schuhe in der rechten Hand. „Wag Dich ja nicht, Emma“ schaute ihre Ma böse zu ihr hin. Emma war ruhig, verschüchtert und ängstig – hätte sie doch nur allzu gerne die Air Force 1 von Lena geerbt. Statt dessen ging auf einmal alles sehr schnell: Mülltonne auf, zweimal ein kurzes Plong-Plong als die Turnschuhe auf den Boden der frisch geleerten Mülltonne aufprallten und direkt da drauf die durchsichtige Mülltüte mit den Küchenabfällen, die zwar nicht zerplatzte, aber beide Schuhe fast vollständig bedeckten. Emma war den Tränen nahe. „Die waren doch noch gut, die sahen doch noch fast neu aus …“ – „Schuhe kommen bei uns in den Müll, Emma, egal wie die aussehen. Gebrauchte Schuhe sind nicht gut für Deine Füße!“ grinste Tante Melanie und machte mit einem Schwung den Deckel der Mülltonne wieder zu, bevor auch schon die nächste Nachbarin ihren Hausmüll in die Tonne werfen konnte.

Emma fing bitterlich an zu weinen – bis zum Schluss hatte sie noch gehofft, die geilen Air Force 1 ihrer Cousine irgendwie retten zu können, aber nur war es definitiv zu spät: Nein mit Küchenmüll vollgesiffte Turnschuhe mochte auch Emma nicht mehr anziehen. Als sie sich verabschiedeten, meinte Tante Melanie noch: „Deine Latzjeans ist ja doch schon ganz schön eng, soll ich Dir denn die von Lena verwahren?“ – „Brauchst Du nicht, Emma hat doch noch eine“ lehnte ihre Mama dankend ab während Emmas Tränen die Wange runterkullerten. „Gerne“ stammelte sie, wohl wissend, dass sie ihrer Mama eigentlich nicht widersprechen sollte. „Und hör jetzt endlich auf zu heulen, sonst kriegste gleich eine gescheuert!“ – Emma versuchte sich vor lauter Angst wieder zu beruhigen, was ihr nicht wirklich gelang. „Ich guck dann mal …“ lächelte Tante Melanie als wenn nichts gewesen wäre. Und Emma machte sich plötzlich wieder Hoffnung auf Lenas H&M Latzhose, die zum kaputt machen eigentlich noch viel zu schade war.

Eine der Altkleidersortierinnen hatte Anna sofort in ihr Herz eingeschlossen. Sie hatte selber auch Kinder und fand Anna in ihrer kurzen, dunkelgrünen Glattlederhose einfach nur zum Anbeißen süß. Irgendwie hatte sie damit gerechnet, dass sich Anna oder ich mal wieder blicken lassen würden, von daher hatte sie es immer wieder herausgezögert, die alten und unbrauchbaren Ledersachen direkt in den Schredder zu werfen. Und in der Tat, es hatte sich doch wieder eine nicht unerhebliche Anzahl an Lederhosen ergeben, die nun allesamt auf die Vernichtung warteten und Anna hatte Glück, dass sie durchschauen durfte.

Und diesmal waren es geradezu Berge von Lederhosen, die nach brauchbarem durchsucht werden wollten. Aber auch wie üblich viel Müll dabei, einfache, billige Raulederhosen für Kleinkinder im Kindergartenalter. Knochig harte Exemplare, meist mit Knopflatz und Hosenträgerchen, keine guten Qualitäten, wenig getragen – vielleicht auch nur extra zum Oktoberfest gekauft, ein vielleicht zweimal getragen und dann lieblos im Altkleidersack entsorgt, wie so vielen andere, was aufgrund der Qualität nach kürzester Zeit reif für die Entsorgung ist. Aber das war auch nicht das, wonach Anna suchte. Nein, für Peter sollte es etwas Besseres sein, so eine schöne weiche Glattlederhose, so wie sie und ich sie trugen und wie Kevin sie einst hatte, bevor Heike sie in der Altkleidersammlung entsorgt hatte. Und vielleicht würde sie ja bei der Gelegenheit auch für Kevin eine finden.

Anna suchte und suchte, wollte aber nicht fündig werden, als die Sortiererin sie plötzlich mit gebrochenem Akzent ansprach: „Ich glaube, ich habe da noch was für Dich! Die Lederhose war mir gleich aufgefallen, weil es so eine ist, wie Du und Deine Mama haben! Die hatte ich extra schon zur Seite gelegt, damit da ja nichts mit passiert!“ Annas Spannung wuchs ins Unermessliche, was wurde die Verwerterin, die sonst normalerweise ohne langes Zögern alles was an Lederhosen ankommt, ohne große Beachtung schreddert, da keine Nachfrage danach besteht. „Hier, kannst Du geschenkt haben – selbst die kauft hier niemand mehr. Wäre echt schade, wenn die auch im Reißwolf enden würde – die sieht nämlich noch nagelneu aus.“

Und schon hielt Anna eine in der Tat funkelnagelneue, kurze, dunkelgrüne Glattlederhose mit Doppel-Zip-Reißverschluss und Hosenträgern in den Händen, genauso eine wie sie selbst trug. Nur halt nicht abgetragen und am Hintern völlig zerkratzt, so wie ihre und auch die von Mama inzwischen war, sondern halt ungetragen. Sogar noch mit dem Original-Etikett auf dem „Frankenwald Lederhosen“ und auf der Rückseite Größe und Preis standen. Vorsichtig – ja geradezu den heiligen Gral in den Händen haltend – faltete sie die Lederhose auseinander und kam aus dem Staunen nicht heraus, die war wirklich nagelneu und ungetragen. Sie fühlte in die linke Hosentasche, anschließend in die rechte und holte ein kleines, kaum mehr lesbares Stückchen Papier hervor: Den Kassenbon. Das Teil war also inzwischen über 40 Jahre alt und muss wohl damals von Preis her ein Sonderangebot gewesen sein.

Doch warum wirft man so etwas, was offensichtlich die ganze Zeit irgendwo sauber und trocken im Schrank gelegen hat, nach so langer Zeit einfach in die Altkleidersammlung, legt sie fein säuberlich gefaltet in den Müllsack, so wie man sie vermutlich geradezu frisch aus dem Schrank geholt hatte? Nicht mal die Taschen hatte man vorher kontrolliert – sonst wäre einem bestimmt der Kassenbon in die Hände gefallen. Aber wer macht sich schon bei Altkleidern Mühe? Anna wurde nachdenklich, betrachtete die Hose in allen Einzelheiten und war sich sicher: Für Peter ist die noch viel zu groß …

Ihr selbst würde sie durchaus passen, vermutlich sogar etwas besser als die, die sie gerade anhatte. Mama würde sie bestimmt auch passen, aber die hatte ja auch schon eine, die richtig gut saß. Schon die ganze Zeit ging ihr Kevin nicht aus dem Kopf, das kleine knuddelige Kerlchen in den sie immer noch verknallt war, auch wenn er inzwischen schon eine Zeit lang mit Emma ging und ihre alte, schwarze moonwashed Latzjeans von Jinglers und den Ringelnicki, den sie immer dazu angezogen hatte, abgöttisch liebte. Der immer einen mordsmäßigen Ständer hatte, wenn er sie in der Schule darin sah. Ja, Kevin würde sie am liebsten zurückerobern, ihm mit der Lederhose eine Riesenüberraschung machen, denn sie war sich mehr als sicher, dass sie ihm gefallen und vor allem auch passen würde. Das wäre was richtig Geiles für den Sommer, sie beide in kurzer, enger Lederhose – bei dem Gedanken daran wurde Anna feucht, aber ihre Hose saß so dermaßen eng, dass nichts rauslaufen konnte. Und dem Leder war es letztlich auch völlig egal, ob es innen ein wenig feucht wurde, zum Glück sah man nichts – das wäre jetzt hier echt peinlich gewesen.

Das einzige Problem war in der Tat Heike, Kevins Mama. Denn sie kann Lederhosen nach wie vor überhaupt nicht ab, und Anna hatte Angst, dass Kevin, wenn sie ihm die Lederhose tatsächlich hübsch verpackt schenken würde, tierischen Ärger bekommen würde und er die Hose dann doch nicht anziehen dürfte. Sie fürchtete, dass er sie nicht einmal anprobieren dürfe, aber wieso eigentlich miss Heike von der ganzen Aktion überhaupt etwas mitbekommen? Wobei, irgendwann würde sie es vermutlich mitbekommen und dann ist der ganz große Ärger da. Was also tun?
jeanslover
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Registriert: So 23. Nov 2014, 06:26

Re: Anna

Beitrag von jeanslover »

Lass sie bitte geile Lederhosen in der Mülltonne entsorgen - das ist so unendlich geeeeeiiil wenn dann der komplette siff in das schöne Leder rein kriecht :roll: :D
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Lady Ashton
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Wohnort: Bei Oldenburg

Re: Anna

Beitrag von Lady Ashton »

Ist bestimmt interessant!
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